nur ein Schulfach.“
Indikator: Ersatzquote in Deutschland seit 2000, Anzahl der Erstabsolventen pro 1000 Erwerbstätige, nur Erstabsolventen. Quelle: IW Köln auf Basis von Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2011; Statistisches Bundesamt, 2005, 2006, 2007a, 2008, 2009a, 2011
Die MINT-Ersatzquote sagt aus, wie viele aus den Hochschulen auf den Arbeitsmarkt nachrückende MINT-Fachkräfte in Relation zu allen bundesweit Erwerbstätigen existieren. Um die MINT-Fachkräftelücke mittelfristig schließen zu können, ist es erforderlich, dass jährlich durchschnittlich 2,78 Hochschulabsolventen eines MINT-Studienfachs pro 1.000 Erwerbstätige neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Dieser Wert lässt sich durch die Division der ab dem Jahr 2015 durchschnittlich insgesamt jährlich benötigten Anzahl an MINT-Absolventen (111.000) durch die angenommene Gesamterwerbstätigenzahl (rund 40 Millionen) bestimmen. Die Multiplikation mit 1.000 ergibt dann die MINT-Ersatzquote.
Wie die obere Grafik zeigt, ist die Zahl der MINT-Erstabsolventen insgesamt betrachtet seit dem Jahr 2000 schneller gewachsen als die Zahl der Erwerbstätigen, was zu einer positiven Entwicklung in der MINT-Ersatzquote geführt hat. Insbesondere der Anteil an Erstabsolventen in den Fächern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften hat seit dem Jahr 2000 einen deutlichen Zuwachs erfahren, während der Anstieg in der Ersatzquote für die Ingenieure merklich geringer ausfiel. Teilweise ist diese Verbesserung auch auf die Jahrgangsstärke der typischen Absolventenjahrgänge zurückzuführen, die zukünftig jedoch abnehmen wird, so dass der MINT-Anteil und die Studienabsolventenquote steigen müssen, um eine konstante Zahl an MINT-Absolventen hervorzubringen.
Grundlegend hat sich die Ersatzproblematik nur leicht entspannt – die zu erwartende Anzahl an MINT-Erstabsolventen ist ausreichend, um die Lücke, die durch das altersbedingte Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt von Mitarbeitern der geburtenstarken Jahrgänge entsteht, zu schließen. Um den erhöhten, in den nächsten Jahren entstehenden expansionsbedingten Bedarf an MINT-Fachkräften zu decken, ist die Ersatzquote hingegen nicht ausreichend.
Bliebe der jüngste Trend von 2005 bis 2007 auch für den Zeitraum bis 2015 konstant, so könnte die Zielgröße des Jahres 2015 in Höhe von 2,78 MINT-Erstabsolventen pro 1.000 Erwerbstätige erreicht werden. Dies würde die jährlich neu entstehende MINT-Lücke schließen, jedoch noch nicht ausreichen, um die bis dahin akkumulierte Lücke zu beseitigen. Um die sich bis zur Erreichung des Zielwerts jedes Jahr erhöhende MINT-Lücke zu reduzieren, ist es notwendig, dass über den Zielwert hinaus weitere MINT-Absolventen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Vorhersagen auf Basis der KMK-Absolventenprognosen führen zu dem Ergebnis, dass ohne zusätzliche Anstrengungen aller politisch relevanten Akteure dieses Ziel nicht erreicht werden dürfte. Bei gegebener Schwundquote lässt sich anhand der Studienanfänger der Jahre 2006 bis 2008 prognostizieren, dass im Jahr 2013 knapp 90.000 MINT-Erstabsolventen die Hochschulen verlassen werden. Mithilfe der Fortschreibung der Studienanfängerzahlen ergibt sich für das Jahr 2015 eine Erstabsolventenzahl in Höhe von rund 97.000 in MINT-Fächern. Der Bedarf würde also unterschritten.
Der Vergleich der MINT-Ersatzquote nach Bundesländern zeigt, dass die größte Anzahl neuer MINT-Absolventen in Relation zur Erwerbstätigenzahl im Jahr 2008 aus Bremen, Berlin und Sachsen kam. Diese drei Bundesländer erreichen beziehungsweise übertreffen auch als einzige den Wert der Zielvorgabe von 2,78 Erstabsolventen pro 1.000 Erwerbstätige. Gegenüber dem Jahr 2005 ist bis zum Jahr 2008 die MINT-Ersatzquote in sämtlichen Bundesländern gewachsen. Einen besonders großen Zuwachs verzeichnete Bremen, wo zwischen 2005 und 2008 die Anzahl an MINT-Absolventen um mehr als eine Person pro 1.000 Erwerbstätige wuchs (+ 1,22). Kein anderes Bundesland erreichte im gleichen Zeitraum auch nur annähernd ein derartiges Wachstum.
Anzahl der MINT-Erstabsolventen pro 1.000 Erwerbstätige in den Jahren 2005 und 2008 nach Bundesländern, nur Erstabsolventen; Quelle: IW auf Basis Statistisches Bundesamt und Statistische Landesämter (2005-2008, 2009a)
Im internationalen Vergleich mit anderen OECD-Staaten wird deutlich, dass die Zielsetzung von jährlich durchschnittlich 2,78 MINT-Absolventen pro 1.000 Erwerbstätigen durchaus realistisch zu sein scheint. 18 der 25 aufgeführten Länder haben eine MINT-Ersatzquote, die mindestens diesen Wert erreicht und in den meisten Fällen sogar darüber liegt. Auch Deutschland liegt nach von den Daten des Statistischen Bundesamtes leicht abweichenden OECD-Daten bereits in der Nähe der angestrebten Quote.
Dabei ist jedoch zweierlei zu beachten: zum einen werden MINT-Absolventen in den OECD-Statistiken bedeutend weiter gefasst als in den Statistiken des Statistischen Bundesamtes, was zur Überschätzung der MINT-Ersatzquote führt. So sind beispielsweise in den MINT-Absolventen der OECD-Statistik Agrarwissenschaftler enthalten, welche nach der Klassifikation des Statistischen Bundesamts nicht den MINT-Absolventen zuzuordnen sind. Zum anderen ist es auf internationaler Ebene nicht möglich, die Anzahl der Erstabsolventen pro 1.000 Erwerbstätige zu ermitteln, sondern es werden sämtliche Absolventen erfasst. Dies führt aufgrund möglicher Mehrfachzählungen beispielsweise von Bachelor- und Masterabsolventen ebenfalls zu einer Überschätzung der MINT-Ersatzquote. Die in Tabelle 26 dargestellten Quoten sind demnach mit der angemessenen Vorsicht zu analysieren, verdeutlichen aber dennoch, dass in Deutschland Expansionsmöglichkeiten bestehen dürften.
Deutschland nahm im Jahr 2007 im internationalen Vergleich einen Platz im hinteren Mittelfeld ein, was bestätigt, dass die Anzahl der MINT-Absolventen bundesweit noch ausgebaut werden kann und muss. Polen als Spitzenreiter standen – gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen – fast zweieinhalbmal so viele Absolventen naturwissenschaftlich-technischer Studiengänge zur Verfügung wie Deutschland.
Indikator: MINT-Ersatzquote ‚Internationaler Vergleich’ ; MINT-Absolventen pro 1000 Erwerbstätige in 2008, alle Absolventen (inkl. Erstabsolventen). Anmerkung: Die OECD-Daten weichen von den Daten des Statistischen Bundesamtes wegen unterschiedlicher Abgrenzung der MINT-Fächer und fehlender Beschränkung auf Erstabsolventen leicht ab. Quelle: Eigene Berechnung auf Basis von OECD, 2010a, 2011a, b
Die Anzahl der Erstabsolventen von MINT-Studiengängen hat sich relativ zur Gesamtanzahl der Erwerbstätigen in den letzten Jahren in Deutschland gesteigert und lag im Jahr 2008 bei 2,13 Erstabsolventen pro 1.000 Erwerbstätige. Trotz dieser positiven Entwicklung gilt es weiterhin aktiv an einer Erhöhung der MINT-Absolventenquote zu arbeiten. Dies wird durch die Erhöhung der MINT-Absolventenzahlen sowie durch die Steigerung des MINT-Studienabsolventenanteils und der Studienabsolventenquote erreicht. Auch die Erhöhung des Frauenanteils und eine Verringerung der Schwundquote sind Wege, die zur Erhöhung der MINT-Ersatzquote führen. Letztendlich ist es jedoch für all diese Wege zur Zielerreichung entscheidend, bereits in den Schulen den Anteil hochkompetenter Schüler in den MINT-Fächern zu erhöhen.
Die SAMSON AG aus Frankfurt am Main ist MINT-Botschafter-Unternehmen des Monats September. Das Unternehmen für Mess- und Regeltechnik erhält als drittes Unternehmen eine Auszeichnung für seine besonderen Aktivitäten in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Herzlichen Glückwunsch! Weiterlesen...