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MINT-Schwundquote

MINT-Schwundquote in Prozent, Anteil fehlender MINT-Erstabsolventen im Vergleich zu den Studienanfängern im 1. Hochschulsemester 5 bis 7 Jahre zuvor. Quelle: IW Köln auf Basis von Statistisches Bundesamt, 2005, 2006, 2007a, 2008, 2009a, b, 2011

Die Entwicklung des Anteil der fehlenden MINT-Absolventen an den MINT-Studienanfängern in Deutschland seit dem Jahr 2005 (MINT-„Schwundquote“)

Unter der MINT-Schwundquote wird hier der Anteil der Studienanfänger verstanden, der das Studium nicht beendet. Dazu zählen sowohl diejenigen Studierenden, die das Studium abbrechen als auch Fachwechsler, die das Studium in einem anderen Fach abschließen. Nach Berechnungen des HIS betrug die Schwundquote an Universitäten im Jahr 2006 in mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen 39 Prozent, in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen 37 Prozent (vgl. Heublein et al., 2008). An Fachhochschulen lagen die Quoten mit 20 beziehungsweise 23 Prozent darunter. Zwischen 1999 und 2006 waren in beiden Bereichen weder an Universitäten noch an Fachhochschulen deutliche Schwankungen der Schwundquote zu bemerken.

In Anlehnung an Daten des Statistischen Bundesamtes (2009a) kann davon ausgegangen wer-den, dass im Jahr 2006 etwa 34 Prozent der Erstabsolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums ihren Abschluss an Universitäten, 66 Prozent den Abschluss an Fachhochschulen erworben haben. Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Segment schlossen drei Viertel der Erstabsolventen an Universitäten ab und nur ein Viertel an Fachhochschulen. Daraus lässt sich mithilfe der HIS-Schwundquoten eine durchschnittliche Schwundquote in Höhe von 27,8 Prozent in den Ingenieurwissenschaften und 34,3 Prozent in Mathematik/Naturwissenschaften im Jahr 2006 an Universitäten und Fachhochschulen ermitteln (eigene Berechnung auf Basis von Heublein et al., 2008, Statistisches Bundesamt, 2009a).

Um einen jährlichen Indikator zu bestimmen, wird die MINT-Schwundquote approximiert. Für die Berechnung werden aus diesem Grund in Anlehnung an Heublein et al. (2008) die Studienanfängerzahlen mit den Absolventenzahlen fünf bis sieben Jahre später verglichen. Dementsprechend sind in der MINT-Schwundquote sowohl diejenigen Studierenden enthalten, die das MINT-Studium vollständig abbrechen, als auch diejenigen, die aus einem MINT-Fach in ein anderes Studienfach wechseln. In den Jahren 1999 bis 2001 beispielsweise begannen im Durchschnitt jährlich rund 53.000 Studienanfänger ein ingenieurwissenschaftliches Studium. Fünf bis sieben Jahre später, im Jahr 2006, hätten diese Studienanfänger ihr Studium abschließen sollen. Tatsächlich abgeschlossen haben in diesem Jahr jedoch lediglich knapp 36.000 Absolventen. Daraus ergibt sich eine Schwundquote von knapp 33 Prozent in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen im Jahr 2006. Diese Schwundquote liegt etwas oberhalb der vom HIS berechneten Quote für dieses Jahr, was sich durch Abweichungen in der Berechnungsmethodik erklären lässt.

Die obere Grafik stellt die bundesweite MINT-Schwundquote seit dem Jahr 2005 dar. Die Entwicklung ist uneinheitlich: Bis zum Jahr 2006 stieg die MINT-Schwundquote an; seither ist sie jedoch sowohl für die MINT-Studiengänge insgesamt als auch für die MIN-Fächer separat rückläufig. In den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen war erst ab 2007 ein Rückgang der Schwundquote beobachtbar. Mit knapp 33 Prozent im Jahr 2008 lag die MINT-Schwundquote insgesamt jedoch noch deutlich über dem anvisierten Zielwert in Höhe von 20 Prozent.

Ein Blick auf die Bundesländer

Auf Bundesländerebene ist die MINT-Schwundquote im Jahr 2008 gegenüber dem Vergleichsjahr 2005 in 11 der 16 Bundesländer gesunken. Die stärksten Rückgänge waren in Thüringen, Brandenburg und dem Saarland zu beobachten. Bremen verzeichnete sowohl im Jahr 2005 als auch im Jahr 2008 die niedrigste MINT-Schwundquote aller Bundesländer und kam als einziges Bundesland in die Nähe des Zielwertes der MINT-Schwundquote von 20 Prozent. Aber auch Thüringen und Bayern wiesen vergleichsweise niedrige Schwundquoten auf.

Unterschiedliche Schwundquoten zwischen den Bundesländern werden jedoch nicht aus-schließlich durch eine unterschiedliche Effektivität des Hochschulbildungssystems verursacht, sondern können zum Teil auch auf regionale Wanderungen der Studierenden während des Studiums zurückzuführen sein. So haben im Studienjahr 2006/2007 7 Prozent der ingenieurwissenschaftlichen Studierenden innerhalb Deutschlands die Hochschule gewechselt, davon rund 14 Prozent ohne den Studiengang zu wechseln (vgl. HRK, 2008). Bei den Studierenden der mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge wechselten 11 Prozent die Hochschule, darunter mehr als ein Drittel ohne Studiengangwechsel. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil dieser Hochschulwechsel bundesländerübergreifend stattgefunden hat.


Indikator: MINT-Schwundquote nach Bundesländern in Prozent, Anteil fehlender Erstabsolventen im Vergleich zu den Studienanfängern 5 bis 7 Jahre zuvor, nur Erstabsolventen und Studienanfänger im 1. Hochschulsemester; Quelle: IW auf Basis Statistisches Bundesamt (2006-2008, 2009a, z.T. Sonderauswertung)

Internationale Einordnung

Das Ziel der Initiative "MINT Zukunft schaffen" ist eine Halbierung der MINT-Schwundquote von mehr als 40 Prozent auf rund 20 Prozent im Jahr 2015. Das bedeutet, dass lediglich höchstens 20 Prozent derer, die ein MINT-Studium beginnen, dieses entweder abbrechen oder in ein MINT-fremdes Studienfach wechseln, in dem sie dann einen Abschluss erwerben. Die untere Grafik zeigt durchschnittliche gesamte Schwundquoten im internationalen Vergleich ausgewählter OECD-Staaten. Bei der Betrachtung ist zu beachten, dass die in der Tabelle dargestellten Quoten sämtliche Studienfächer beinhalten, so dass im Aggregat Fachwechsler keine Rolle spielen und die Schwundquote der Abbruchquote entspricht. Daten zur MINT-Schwundquote liegen für den internationalen Vergleich leider nicht vor. Nur drei Staaten, nämlich Japan, Dänemark und Großbritannien, weisen Schwundquoten von etwa 20 Prozent oder weniger auf. Auch Deutschland liegt bei der aggregierten Schwundquote aller Studienfächer nahe am 20 Prozent-Ziel. Typischerweise sind die Schwundquoten in den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern jedoch höher als in den meisten anderen Studienfächern, so dass die durchschnittliche Schwundquote die Problematik im MINT-Bereich nicht vollständig abzubilden in der Lage ist.


Schwundquote ‚Internationaler Vergleich’ 2008 in Prozent, Anteil fehlender Absolventen im Vergleich zu den Studienanfängern eines typischen Anfangsjahres, alle Absolventen (inkl. Erstabsolventen) und Studienanfänger; Anmerkung: Die OECD-Daten weichen von den Daten des Statistischen Bundesamtes wegen fehlender Beschränkung auf Erstabsolventen und MINT-Studienfächer leicht ab. Quelle: Eigene Berechnung auf Basis von OECD, 2010b

Fazit

Die MINT-Schwundquote, das heißt der Anteil der Studienanfänger eines typischen Anfangsjahrgangs, der das Studium nicht abschließt, hat seit dem Jahr 2007 abgenommen. Trotzdem lag die MINT-Schwundquote insgesamt im Jahr 2008 mit knapp 33 Prozent fast 13 Prozent-punkte über der anvisierten Quote von einem Fünftel. Die angestrebte Halbierung der Schwundquote unter den MINT-Studierenden ist ohne ein aktives und gezieltes Eingreifen aller politisch Verantwortlichen nicht zu erreichen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, durch eine verbesserte naturwissenschaftlich-technische Elementar- und Primarbildung schon in der Schule höhere Kompetenzen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu schaffen. Zudem können Brückenkurse in Fächern wie Mathematik oder Physik vor oder nach Aufnahme eines MINT-Studiengangs hilfreich sein, um die Studierenden auf ein höheres Kompetenzniveau zu bringen. Letztlich ist auch die Qualität der Betreuung der Studierenden ein äußerst relevanter Faktor für die Abbruchwahrscheinlichkeit. Durch eine Qualitätsverbesserung und die Intensivierung der Betreuungsangebote, wie etwa eine Senkung der Betreuungsrelation, ließe sich ebenso die Abbruchwahrscheinlichkeit reduzieren.

Aus diesem Grund sind folgende Maßnahmen unerlässlich:

  • Durch eine verbesserte naturwissenschaftlich-technische Elementar- und Primarbildung werden schon in der Schule höhere Kompetenzen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich geschaffen.
  • Jeder MINT-Studierende hat vor oder bei Aufnahme des Studiums die Möglichkeit, an Brückenkursen (z.B. Mathematik, Physik) teilzunehmen.
  • Die Betreuung in den MINT-Fächern sollte verbessert und intesiviert werden (Senkung von sehr ungünstigen Betreuungsrelationen in überlasteten Fächern).
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