„Mathe ist mehr
als nur ein Schulfach“

MINTbegeistert!

Eine Ausstellung zum Anfassen und Mitmachen

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Schüler aus der 11. und 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Berchtesgaden sind MINTbegeistert! und haben sich unter der Leitung von Studienrat Martin Hofreiter zu Projekt-Seminaren zusammengefunden, um eine mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Mitmachausstellung für andere Schüler aber auch für interessierte Erwachsene auf die Beine zu stellen. Ziel der Erlebnisausstellung ist es, die Besucher durch das Selberausprobieren und Erleben dazu anzuregen, sich über die Funktionsweise der Exponate Gedanken zu machen und die dahintersteckenden Wissenschaften zu ergründen. Insbesondere jüngere Schüler ab der 4. Klasse erleben durch das Berühren, Spielen und Be-Greifen die MINT-Fächer aus einem ganz anderen Blickwinkel als in der Schule, entdecken interessante Anwendungen und begeistern sich langfristig für diese Fachgebiete.

 

Im September 2009 starteten bayernweit mit der reformierten Oberstufe im 8-jährigen Gymnasium die ersten sogenannten P(rojekt)-Seminare in den 11. Klassen. In Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern wird eine Projektarbeit mit Bezug zur wissenschaftlichen und beruflichen Praxis erstellt. Durch diese praxisnahen Erfahrungen soll insbesondere die Selbst- und Sozialkompetenz der jungen Erwachsenen gefördert werden.
Am Gymnasium Berchtesgaden lautete der Titel eines der angebotenen Seminare „Mathematik, die begeistert – Gestaltung einer Mathematikausstellung“. In der ursprünglichen Vorstellung bestand die Ausstellung aus altersgerecht aufbereiteter Mathematik, ergänzt durch mathematische Knobeleien und geometrische Basteleien aus Papier. Doch die teilnehmenden Schüler machten viel mehr daraus, entwickelten eigene Ideen und Vorstellungen und setzten diese auch um.

 

Bereits im März 2010 präsentierte MINTbegeistert! auf Einladung der TUM School of Education die ersten fertig gestellten Ausstellungsstücke im Rahmen der Kick-Off-Veranstaltung der Deutschen Telekom-Stiftung zur Förderung der MINT-Lehrerbildung an der TU München in der dortigen Immatrikulationshalle. Nicht nur TU-Senatspräsident Prof. Wilfried Huber bestärkte das Vorhaben und motivierte durch sein Lob.

 

Im Oktober 2010 hieß es zum ersten Mal MINTbegeistert! im Gymnasium Berchtesgaden. Zur Eröffnung referierte Dr. Christian Ucke vom Physik-Departement der TU München über „Physikalisches Spielzeug – schwebende Kreisel, bayerische Sanduhren und Mädchenfänger“. Eine Woche lang luden die Exponate, welche jedem die Möglichkeit bieten, sie selbst auszuprobieren, zum Experimentieren ein. Wer träumte noch nie davon, inmitten einer Riesenseifenblase zu stehen? - Hier ist es möglich. Wie viele Grundschüler passen in einen Kubikmeterwürfel? - Der aktuelle Rekord liegt bei 18 Kindern. Wie oft sehe ich die Spiegelung in den Kaleidoskopen? - Im Prinzip unendlich oft. Ist es nicht gefährlich, sich auf das Nagelbett zu legen? – Es könnte sich sogar noch jemand auf dich draufsetzen. Darf ich die mit dem Schwingungskurvenzeichner selbst angefertigten Lissajous-Kurven mit nach Hause nehmen? – Selbstverständlich.

Sehr erfreulich war die hohe Besucherzahl und die Begeisterung, die bei den Besuchern ausgelöst werden konnte. Über 1000 Interessierte kamen, vor allem Schüler, und probierten die 19 Exponate aus. Sehr viele positive Rückmeldungen ermutigten zum Weiterzumachen.

 

Im Februar 2011 war MINTbegeistert! vertreten beim Schnupperabend für die künftigen Fünftklassler des Gymnasiums Berchtesgaden.

 

Im Oktober 2011 fand zum zweiten Mal MINTbegeistert! im Gymnasium Berchtesgaden statt. Alleine zum Eröffnungsabend mit Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher vom Mathematikum der Universität Gießen, der einen Vortrag über „Mathematische Experimente zum Anfassen“ hielt, konnten etwa 400 Besucher begrüßt werden. Auch die weitere Ausstellungswoche mit mittlerweile 42 unterschiedlichen Mitmach-Exponaten fand großen Anklang bei Schülern, Eltern, Lehrern und externen Interessierten.

Als Ausstellungsstücke neu dazu kamen etwa ein Chaos-Pendel (am Arm eines Pendels ist ein weiteres Pendel angebracht, so dass das Doppelpendel unvorhersehbare Bewegungsmuster durchläuft; bei den Dreharbeiten mit Stahl wurde im Mikrometerbereich gearbeitet), ein Ferro-Fluid (Ferrofluide verbinden flüssige Eigenschaften eines Stoffes mit magnetischen; in intensiver Zusammenarbeit mit Prof. Härter von der TUM wurde ein Ferrofluid selbst hergestellt), ein Unendlichkeitsspiegel (mittels eines Spiegels und eines halbdurchlässigen Spiegels wird die Illusion erzeugt, dass sich die Lichter im Inneren des in Wirklichkeit nur 10 cm tiefen Exponats unendlich weit in die Tiefe erstrecken), ein Beuchet-Stuhl (die Sitzfläche und Lehne eines überdimensionierten Stuhls ist vom Betrachter deutlich weiter entfernt als die Stuhlbeine; dadurch erscheint ein auf dem Stuhl sitzender Mensch wesentlich kleiner als eine neben den Stuhlbeinen stehende Person), ein schwebender Kreisel (mittels Magnetfeldern, die von Permanentmagneten und Helmholtzspulen erzeugt werden, wird ein rotierender Kreisel bis zu 45 min. in der Luft gehalten), eine Wassertropfenbahn (ein Wassertropfen bewegt sich auf einer Holzbahn mit Kurven, Sprüngen und einem Gravitationstrichter; die Bahn ist mit einer Nanotechnologie-Beschichtung versehen, so dass der Tropfen wie eine Kugel „rollt“), ein Rollstuhlparcours (in einem Rollstuhl sitzend wird ein 25 m langer Hindernisparcours durchfahren und die dafür benötigte Zeit gemessen; sowohl technische Aspekte als auch „ein Leben mit Behinderung“ spielen eine Rolle) oder ein Ames-Raum (umfasst etwa 40 m³ und ist von bis zu drei Personen begehbar; erweckt die Illusion, dass die sich im Raum befindlichen Personen ihre Größe ändern).

 

Alle Exponate wurden übrigens von den Oberstufenschülern selbst gebaut!

 

Im Dezember 2011 präsentierte sich die Aktivausstellung bei der Eröffnung des Schülerforschungszentrums Berchtesgadener Land durch den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den Präsidenten der TU München Prof. Wolfgang A. Herrmann und den Generaldirektor des Deutschen Museums München Prof. Wolfgang M. Heckl. Hierbei wurde von SAT1 ein Filmbericht erstellt, welcher zu finden ist unter http://www.sat1bayern.de/news/20111202/seehofer-auf-zukunftsreise-in-berchtesgaden/

Ebenfalls im Dezember 2011 berief die TU München erstmals eine eigenständige Schülerkonferenz in Berchtesgaden ein. Die Schirmherrschaft hierzu übernahm Landrat Georg Grabner, welcher auch persönlich anwesend war. Der große Kurhaussaal war gut gefüllt. Schüler der 12. Klassen präsentierten ihren Mitschülern ab der 10. Klasse und fachkundigen Experten aus Unternehmen und Universitäten die Ergebnisse der Arbeiten ihrer W- und P-Seminare. Jeweils 20 Minuten Vortrag, dann 10 Minuten Fragen aus dem Publikum. MINTbegeistert! war mit Referenten und mit Exponaten präsent.

 

Im Februar 2012 war MINTbegeistert! vertreten beim Schnupperabend für die künftigen Fünftklassler des Gymnasiums Berchtesgaden.

 

Im Juli 2012 wurde MINTbegeistert! der 1. Platz des Bildungspreises Berchtesgadener Land des Landtagsabgeordneten für die Stimmbezirke Berchtesgadener Land und Traunstein verliehen. Das Team fuhr auf Einladung von Roland Richter nach München und besuchte den Bayerischen Landtag.

 

Die dritte Erlebniswoche MINTbegeistert! des Gymnasiums Berchtesgaden findet statt vom 15. bis 19. Oktober 2012. Den Eröffnungsvortrag „Wer nichts weiß, muss alles glauben – Hollywood und die Physik“ am 15. Oktober um 18.30 Uhr im Gymnasium Berchtesgaden hält Prof. Heinz Oberhummer, TU Wien, von den „Science Busters“.

 

Auch in den Schuljahren 2012 - 2014 geht es weiter. Schüler der jetzigen 10. Klassen des Gymnasiums Berchtesgaden werden MINTbegeistert! fortführen. Die Betreuung übernehmen gemeinsam StRin Iris Luber und StR Martin Hofreiter. Dieses Mal soll der Schwerpunkt auf Vorführexperimente gelegt werden. Und im Rahmen eines Projekt-Seminars Musik unter der Leitung von StR Markus Hanke wird die Entdeckerausstellung um Exponate zur Akustik erweitert.

 

Der Erfolg der Ausstellungen beruht nach eigener Einschätzung auf dem Aufzeigen eines neuartigen Ansatzes für die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung. Es werden nicht nur die bereits interessierten Schüler angesprochen, sondern auch viele, die bisher aufgrund fehlender Möglichkeiten noch keinen Zugang zu den MINT-Fächern gefunden haben. Doch auch diese schlummernden Potentiale gilt es zu Nutzen.

Die am Seminar beteiligten Schüler wirken in vorbildlicher Weise engagiert im Team zusammen, entwickeln darin aber auch Selbsttätigkeit und Eigenständigkeit und durch die positive Resonanz auf ihre erbrachten Leistungen auch ein entsprechendes Selbstbild. Einzelne Exponate, wie etwa der Rollstuhlparcours, regen überdies dazu an, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren mitunter schwierige Lebenssituationen zu erfassen.

 

In der Möglichkeit der Zusammenarbeit mit dem von Seminarleiter Martin Hofreiter mitinitiierten Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land ergeben sich für die Zukunft vielfältige Möglichkeiten. Langfristig könnte die Ausstellung dort etabliert und im Zusammenwirken mit anderen Schulen ausgebaut werden. Ab Herbst 2012 gibt es am ebenfalls im Landkreis Berchtesgadener Land gelegenen Rottmayr-Gymnasium Laufen erstmals ein ähnlich gelagertes P-Seminar unter der Führung von StR Markus Beyhl. Bisher haben bereits alle Grundschulen des südlichen Berchtesgadener Landes an einzelnen Exponaten mitgewirkt, die Realschule St. Zeno Bad Reichenhall hat überdies mit eigenen Stationen zum guten Gelingen beigetragen. Mit eingebunden ist des Weiteren das RoboticsTeam des Gymnasiums Berchtesgaden, in dem Schüler eigenständig LEGO-Roboter bauen und programmieren. Ebenso die Technik-Gruppe des Gymnasiums Berchtesgaden, die bei einzelnen Exponaten wie etwa „Farbschatten“ behilflich ist und sich um die Ton- und Bühnentechnik der Eröffnungsveranstaltungen kümmert. Die TU München steht der Initiative von Beginn an zur Seite.

 

Die nötigen Ausgaben finanzieren sich ausschließlich durch Sponsorengelder, mit denen die für die Exponate benötigten Materialien bezahlt werden. Etwa Holz, Spiegel, Magnete, Umlenkrollen, Schrauben, Scharniere und vieles weitere. Unterstützung erhält man dabei durch vor Ort ansässige Unternehmen, nicht nur finanziell, sondern auch durch Rat und Tat. Den Ames-Raum wurde beispielsweise in der Werkstätte einer heimischen Schreinerei anfertigt, der Inhaber stand dabei beratend und zum Teil auch mitwirkend zur Seite. Insgesamt erschließen Kontakte mit regionalen Unternehmen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten, und zwar für beide Seiten.

 

 

Die Ideen zu den Ausstellungsstücken entstanden vor allem bei verschiedenen von den Schülern selbst organisierten Exkursionen. In den Jahren 2010 und 2011 besuchte die MINT-Initiative das Deutsche Museum München, die Ausstellungen ix-Quadrat und i-Tüpferl der TU München in Garching, das Science-Center im Haus der Natur Salzburg und das ARS Electronica in Linz. Im Mai 2012 unternahm die Gruppe eine zweitägige Fahrt, welche in die Inatura im vorarlbergischen Dornbirn und ins Technorama im schweizerischen Winterthur führte. Mit seinen über 500 Experimentier-Stationen auf 6500 Quadratmeter Fläche und umfangreichen Laboren ist das Technorama eines der größten und aufgrund seiner vorbildlichen Didaktik und Qualität eines der renommiertesten Science-Center der Welt. Die über 100 Mitarbeiter dort empfangen jedes Jahr mehr als 250.000 Besucher. Begeistert und mit vielzähligen neuen Eindrücken und Vorstellungen kamen die Schüler zurück.

 

Die Mitmach-Ausstellung MINTbegeistert! entwickelt sich mehr und mehr zu einem kleinen Science-Center. Neu ab Oktober 2012 sind voraussichtlich folgende Exponate: eine begehbare Lochkamera, ein Kino-Karussell, ein Spiegelzeichner, ein Nebeltornado, Laserreflektionen, eine Wirbelstrombremse, ein Unsichtbarkeitstisch, eine Sprungwand mit gefrierenden Schatten, lichtpolarisierende Eisblumen, eine Seilschleuder, ein Solarflieger, eine 3D-Pinnwand, ein Du-und-Ich-Spiegel, Pendelwellen, Zylinderanamorphosen, wunderliche Würfel, Antimasken, ein Doppelspiegel, Hochsprungbälle, Schnürl-Seifenblasen, ein David-gegen-Goliath-Domino, ein Glasperlen-Regenbogen, ein Magnet-Chaospendel, ein Bernoulli-Ball, … . Die bisherigen Exponate laden natürlich nach wie vor zum Selberausprobieren ein.

 

Weitere Informationen und zahlreiche Bilder finden sich auf der von Schülern des P-Seminars selbst erstellten Internetseite http://www.mintbegeistert.de. Bei Fragen steht man gerne zur Verfügung, entweder über das Gymnasium Berchtesgaden oder unter der Mailadresse schule@hofreiter.eu.


Link: http://www.mintbegeistert.de
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Schlagwörter: berchtesgaden
Zielgruppe: Eltern | Jugendliche
Region: Bayern