„Mathe ist mehr als
nur ein Schulfach.“
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Politische Vision 2015

 

Präambel


Der Fachkräftemangel in den MINT-Qualifikationen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einer Wachstums- und Innovationsbremse und gefährdet den Wirtschaftsstandort. Die notwendige Stärkung von MINT-Kompetenzen betrifft alle Bildungsbereiche, von der frühkindlichen Bildung über die allgemeinbildende Schule, die Berufsbildung, die Hochschule und die berufliche Weiterbildung. Jedoch gilt es angesichts der jetzt und in den kommenden Jahren auf ein hohes Niveau steigenden Studienanfängerzahlen, schnell und effektiv diesem Fachkräftemangel entgegen zu wirken und mehr junge Menschen für ein Studium von MINT-Fächern zu begeistern bzw. zu einem Studienabschluss in einem MINT-Fach zu führen. Die Zielgruppen sind damit einerseits Schüler ab Klasse 8 und andererseits Studierende. Die deutsche Wirtschaft formuliert vor diesem Hintergrund, ausgehend von den Vergleichszahlen 2005, für die Bereiche Schule und Hochschule die Benchmarks für das Jahr 2015, Forderungen insbesondere an die Politik und eigene Zusagen. Einleitend gilt es, wichtige Elemente zukunftsorientierter Bildungspolitik als aktiver Sozial- und Standortpolitik hervorzuheben:

1.    Der Anteil der staatlichen Ausgaben für bzw. Investitionen in den Bildungsbereich und hier insbesondere in die quantitative und qualitative Steigerung der MINT-Bildung ist deutlich zu erhöhen, damit alle MINT-Potenziale umfassend ausgeschöpft und entsprechend gefördert werden.

2.    MINT-Bildung ist der Kernbestand der technologischen Innovationskraft und damit unverzichtbarer Bestandteil des Bildungskanons. MINT-Bildung führt zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit neuen Technologien, einer gegenüber neuen Technologien aufgeschlossenen Haltung und ist damit die Basis für ein positives Innovationsklima.

3.    Bildung liegt nicht allein in den Händen von Schulen und Hochschulen, sondern ist auch eng mit dem Elternhaus und dem sozialen Umfeld von Kindern und Jugendlichen verknüpft. Hier gilt es, die Verantwortlichkeiten eindeutig zu adressieren.

4.    Die deutsche Wirtschaft braucht die „besten Köpfe“ ebenso wie die guten Köpfe – auch und gerade in den MINT-Qualifikationen. Über die „Olympioniken“ hinaus besteht auf breiter Front Bedarf an gut ausgebildeten MINT-Fachkräften mit hoher Arbeitsmarktkompetenz.

5.    Die notwendigen Reformen im Bildungsbereich müssen dem Prinzip der gezielten individuellen Förderung folgen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels kann es sich Deutschland nicht länger erlauben, junge Menschen auf dem Bildungsweg zurückzulassen. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Einzelnen entscheiden sowohl über den volkswirtschaftlichen Wohlstand als auch über individuelle Teilhabechancen an der Gesellschaft.


Die Initiative der Wirtschaft und ihrer im MINT-Bereich engagierten Partner setzen klare Benchmarks. Wir stellen anspruchsvolle Anforderungen an die Bildungsinstitutionen und an die Politik. Ebenso eindeutig benennen wir den eigenen Beitrag der Wirtschaft. Wir adressieren Schulen bzw. Hochschulen und die Politik gemeinsam, um deutlich zu machen, dass weder die Institutionen noch die politischen Entscheidungsträger die notwendigen Reformen getrennt voneinander durchsetzen können. Auf der politischen Ebene werden primär die Bundesländer angesprochen, der Bund sollte die entsprechenden Vorhaben und Anstrengungen der Länder zielgerichtet unterstützen.

Schule

Benchmarks 2015

Quantitativ

  • Alle Schüler belegen bis zum Abitur neben Mathematik zwei Fächer im Bereich Naturwissenschaften, Technik und Informatik
  • Jede/r zukünftige Studienberechtigte hat ab Klasse 10 die Möglichkeit, eine MINT-Orientierung (beispielsweise Beratung, Praktikum) durch ein Unternehmen zu erhalten.
  • Erhöhung des Anteils von Studienanfängerinnen, die ein MINT-Studium aufnehmen auf 35 % (2005 im Durchschnitt ca. 20 %)

Qualitativ

  • Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Elementar- und Primarbildung
  • Stärkung der MINT-Kompetenzen in der Sekundarstufe
  • Ausweitung des experimentellen Unterrichts und des außerschulischen Lernens
  • Reform der MINT-Lehrerausbildung- – und Stärkung der Weiterbildung von MINT-Lehrern

Forderungen an Politik und Schule

  • Einsparpotentiale durch rückläufige Schülerzahlen nicht realisieren (d. h. Finanzmittel zumindest einfrieren)
  • Verankerung von naturwissenschaftlich-technischen Fächern durchgehend bis zum Abitur in den Lehrplänen aller Bundesländer
  • Differenzierte Lernangebote schaffen, d. h. für alle Schüler didaktisch gut aufbereitete MINT-Qualifizierung mit anwendungsorientiertem statt wissenschaftlichem Anspruch sowie interessierte Schüler mit Zusatzangeboten fordern und fördern
  • Unterstützung von Initiativen und Strategien zur Stärkung des experimentellen Unterrichts und des außerschulischen Lernens
  • Akzeptanz und Unterstützung von Maßnahmen und Angeboten der Unternehmen und der wirtschaftsnahen Initiativen zur MINT-Orientierung
  • Ausbau von speziellen Angeboten zur Förderung des Interesses von Mädchen an MINT-Fächern (z. B. Etablierung von Kontakten zu MINT-Studentinnen, auch monoedukative Angebote, AGs etc.)
  • Erhöhung der Zahl der Lehrerstellen im MINT-Bereich entsprechend dem erhöhten Unterrichtsanteil; Eröffnung von Spielräumen für leistungsgerechte Besoldung zur Gewinnung und Bindung guter MINT-Lehrer
  • Verbesserung der didaktischen Ausbildung von MINT-Lehrkräften, insbesondere im Primarbereich
  • Ausbau des Angebots an Weiterbildungsmöglichkeiten für MINT-Lehrer sowie sachgerechte Integration und Qualifikation von Seiten- und Quereinsteigern

Beitrag der Wirtschaft

  • Unternehmen bieten kooperationsbereiten und MINT-fördernden Schulen Partnerschaften an
  • Ausbau des Angebots der Unternehmen und Verbände an MINT-Orientierungen für Schüler
  • Unterstützung des außerschulischen Lernens z. B. im Rahmen von Besuchen in Forschungslaboren, Fertigungs- und Vertriebsstätten sowie Dienstleistungsunternehmen
  • Aufbau und Förderung von MINT-Schul-Netzwerken (z. B. Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen MINT-EC e.V., Junior- und Schüleringenieurakademien, MINT-freundliche Schulen)
  • Unterstützung der Weiterbildung von Lehrkräften und Erziehern durch passende Angebote von Unternehmensseite (z. B. Lehrerfortbildungsangebote, Praxisphasen in Unternehmen, Beteiligung an unternehmensinternen Weiterbildungen)


Hochschule

Benchmarks 2015

Quantitativ

  • Jeder MINT-Studierende hat vor oder bei Aufnahme des Studiums die Möglichkeit, an Brückenkursen (z. B. Mathematik, Physik) teilzunehmen
  • Reduzierung der MINT-Abbrecher- und Wechslerquote (Schwundquote) von im Schnitt 34 % (2005) auf 20 % durch verbesserte Praxisorientierung, stärkeren Anwendungsbezug in den Curricula und verbesserte Lehre mit didaktisch optimierten Lehr- und Lernarrangements
  • Jeder zweite durch den Hochschulpakt II zusätzlich finanzierte Studienplatz ist ein MINT-Studienplatz
  • Steigerung der Zahl dualer MINT-Studiengänge und damit auch der Absolventen um 50 % (2005 ca. 300 duale MINT-Studiengänge mit ca. 15.000 Absolventen jährlich)
  • Verbesserung und Intensivierung der Betreuung in MINT-Fächern, insbesondere Senkung von sehr ungünstigen Betreuungsrelationen in überlasteten Fächern
  • Steigerung des Anteils der Hochschulabsolventen in MINT-Fächern an allen Hochschulabsolventen auf 40 % (2005 rd. 31 %)

Qualitativ

  • Stärkere Praxisorientierung und mehr Anwendungsbezug in den Curricula und Prüfungen zur Steigerung der Attraktivität des Studiums und Erhöhung der Absolventenquote in den MINT- Studiengängen
  • Stärkung der Didaktik in MINT-Studiengängen durch Weiterbildung der Lehrenden
  • Verbesserung des Übergangs Hochschule-Wirtschaft insbesondere auch für Absolventinnen von MINT-Studiengängen

Forderungen an Politik und Hochschule

  • Finanzierung zusätzlicher Brückenkurse u. ä., um den Übergang Schule-Hochschule im Bereich der MINT-Qualifikationen zu verbessern
  • Ausbau von Mentoring-Programmen u. ä. für MINT-Studierende, insbesondere für MINT-Studentinnen („role models“)
  • Ausbau von MINT-Studienplätzen im Rahmen des Hochschulpakts II
  • Gezielte und nachhaltige Initiativen zum Ausbau dualer Studienangebote
  • Stärkere Integration von MINT-Unternehmensvertretern in das Lehrangebot zur Stärkung der Praxisorientierung
  • Aufbau von speziellen Weiterbildungsprogrammen für Lehrende im MINT-Bereich (insbesondere Didaktik)

Beitrag der Wirtschaft

  • Akzeptanz von MINT-Bachelorabsolventen (Bachelor Welcome – MINT-Nachwuchs sichern! – Erklärung der Personalvorstände führender Unternehmen, Juni 2008)
  • Unterstützung des Praxis- und Anwendungsbezugs der MINT-Studiengänge (Lehrbeauftragte aus der Wirtschaft, Praktika, Vergabe von Abschlussarbeiten etc.)
  • Vermittlung von Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen als „role models“ im Rahmen von Mentoring-Programmen für MINT-Studierende, insbesondere MINT-Studentinnen
  • Unterstützung von Weiterbildungsprogrammen für Lehrende (z. B. durch das stärkere Angebot von Unternehmensaufenthalten im Rahmen von Fortbildungs- bzw. Forschungssemestern)
  • Beteiligung am Ausbau dualer Studienangebote
  • Unterstützung von Mentorenprojekten beim Übergang von der Schule in ein MINT-Studium
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Aktuelles

Europäischer Computerführerschein (ECDL)

Die Dienstleistungsgesellschaft für Informatik (DLGI) unterstützt die "MINT-freundlichen Schulen": Allen ausgezeichneten Schulen, die noch kein Prüfungszentrum für den Europäischen Computerführerschein sind, erlässt die DLGI die Akkreditierungsgebühr für ECDL-Prüfungszentren. Die Bonner Dienstleistungsgesellschaft ist bereits seit 2009 Partner der Initiative "MINT Zukunft schaffen", zeichnet regelmäßig besonders engagierte Schulen aus und unterstützt diese bei der Aus- und Fortbildung von ECDL-Testleitern. weiterlesen...