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Nachrichten des MINT-Portals
05.06.2015

Im Interview: Dr. Walter Börmann (VDE) zum Thema Industrie 4.0

 

MZS: Industrie 4.0 erfordert personell sowohl bei den akademischen MINT-Berufen als auch bei den Technikern und Meistern hohes Maß an MINT Know-How, die Wirtschaft steht hier unter Druck: Deutschland muss im Kopf-an-Kopf-Rennen mit USA und Japan beschleunigen, wie sieht Ihre Strategie/Agenda aus, wie soll genügende MINT-Qualifikation geschaffen werden, und was können Ihre Mitgliedsunternehmen dazu beitragen.

Dr. Walter Börmann: Viele Kompetenzen für Industrie 4.0 sind vorhanden, müssen aber vernetzt werden. Der VDE bietet eine interdisziplinäre und branchenübergreifende Plattform für Wissenstransfer und Zusammenarbeit. Industrie 4.0 zählt zudem zu unseren wichtigen Kompetenzfeldern. Die Umfragen unter unseren Mitgliedsunternehmen zeigen, dass das noch junge Thema Industrie 4.0 bei ihnen angekommen ist und dass sich immer mehr in Kooperation mit einer Hochschule bzw. einer Partnerfirma damit beschäftigt. Darüber hinaus setzen wir uns bildungspolitisch für eine Stärkung der MINT-Qualifikationen ein. So sorgen wir mit unserem engen Zusammenwirken mit dem Fakultätentag sowie dem Fachbereichstag Elektrotechnik und Informationstechnik für eine effektive Arbeit mit Auswirkungen auf die Hochschulen und die Bildungspolitik. Und schließlich sind wir natürlich weiterhin in der Nachwuchsförderung mit unserem MINT-Engagement sehr aktiv, denn der Elektroingenieurbedarf wird durch Anwendungen wie Industrie 4.0 weiter steigen.

MZS: Sie sind HUB der ersten Stunde bei MZs, bitte schildern Sie uns was leisten Ihre MINT-Botschafter in diesem Zusammenhang an MINT-Motivations- und Unterstützungsarbeit.

Dr. Walter Börmann: VDE-MINT-Botschafter und -Botschafterinnen tragen die MINT-Idee und speziell das "T" in die Schulen und Hochschulen. Alle eingetragenen MINT-Botschafter/innen haben Zugriff auf den "Botschafterkoffer" mit Materialien und Hilfsmitteln. Sie informieren, motivieren und machen das MINT-Engagement des VDE und viele weitere Aktivitäten in diesem Bereich sichtbar. Geeignete Rollenvorbilder geben ihre Begeisterung für MINT weiter und helfen jungen Menschen bei der Berufsorientierung. Zahlreiche Mitglieder des VDE engagieren sich bereits heute als MINT-Botschafter, weitere werden gesucht.

MZs: Smart Factory wird bis spätestens 2025 real, davon sind nach Ihrer aktuellen Studie fast drei Viertel Ihrer 1.300 Mitgliedsunternehmen und Hochschulen der Elektro- und Informationstechnik überzeugt. Aber nur jedes dritte befragte Unternehmen befasst sich konkret mit Industrie 4.0, 70 Prozent befinden sich noch in der Analysephase. In operativen Einzelprojekten beschäftigt sich etwa ein Drittel mit dem Thema, in der Planungs-/Testphase etwa ein Viertel. Wie könnte Beschleunigung aussehen?

Dr. Walter Börmann: Wenn wir unsere VDE-Umfragen zu Industrie 4.0 aus den Jahren 2013 und 2015 vergleichen, ist das Bild positiver: nicht "nur", sondern "schon" jedes dritte Unternehmen befasst sich mit dem Thema. Die Unternehmen haben in diesen zwei Jahren die Bedeutung des Themas erkannt und tun etwas. Freilich muss das Tempo beschleunigt werden - aber das nicht nur in den Unternehmen. Industrie 4.0 funktioniert nur mit einer schnellen und zuverlässigen Kommunikation. Dazu brauchen wir den Ausbau der Mobil- und Festnetz-Infrastruktur auf höchstem Niveau, also Glasfasernetzausbau und Mobilfunkstandards Beyond LTE, als 5G. Das erreichen wir nur, wenn wir den Mikroelektronik-Standort Europa stärken und uns auf eine gesamteuropäische Innovationsstrategie verständigen. Und nicht zuletzt brauchen unsere Mitgliedsunternehmen, insbesondere die hochinnovativen "Hidden Champions", weniger Bürokratie und mehr Unterstützung. Diese kann von der Forschungsförderung über steuerliche und bürokratische Entlastungen bis hin zu Pilotprojekten und konzertierten Aktionen reichen. Das heißt: Beschleunigung ja, aber das auf allen Spuren.

MZs: Sie haben ja ganz konkret, um die zu leistende "Graswurzelarbeit" in Sachen MINT zu forcieren, ein Projekt in Planung: Der VDE, sehr aktiv in der MINT-Botschafter-Initiative und ebenso engagiert in der Auszeichnung der MINT-freundlichen Schulen, bittet seine Mitgliedsunternehmen um ihre Unterstützung bei der Aufnahme von direkten Partnerschaften zwischen MINT-freundlichen Schulen und Mitglieds-Unternehmen des VDE.

Dr. Walter Börmann: Unsere Idee ist, die Faszination Technik möglichst früh in die Schulen zu tragen. Bestärkt werden wir dabei durch den Erfolg unserer Schülerinitiative "Invent a Chip" oder dem "Girls Day", an dem sich viele VDE-Bezirksvereine und VDE-Mitgliedsunternehmen beteiligen. Wir haben die Erfahrung gemacht: Da geht noch was, hier ist noch Luft nach oben. Viele Schülerinnen und Schüler lassen sich für Technik faszinieren, und je jünger sie sind, desto offener sind sie dafür. Auch die Unternehmen machen sehr gute Erfahrungen damit. Und sie wissen, dass das Thema Nachwuchsförderung kein Selbstläufer ist, auch sie müssen noch aktiver werden und erklären, warum man Elektroingenieur werden soll. Und wenn unsere Einzel-Initiativen schon so gut ankommen: Warum sollte man dann bei Schülerwettbewerben, Botschaftern und einzelnen Aktionen halt machen und nicht kontinuierlichere Vernetzungslösungen suchen? Der VDE hat den Kontakt zu Unternehmen, Schulen und Hochschulen und kann daher als Plattform für diese Partnerschaften fungieren.



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