„Mathe ist mehr als
nur ein Schulfach.“
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Nachrichten des MINT-Portals
21.07.2015

Interview mit Ingrid Ritt, Vorsitzende des Landeselternverbandes Bayerischer Realschulen

MZs: Wie würden Sie Ihr spannendes Projekt beschreiben und warum ist die Förderung von MINT Kompetenzen aus Ihrer Sicht so wichtig?

Ingrid Ritt: Die MINT-Förderung im Bildungsangebot "mintensiv" ist eingebettet in die MINT21-Initiative des Bayerischen Kultusministeriums und "mintensiv" im Schullandheim ergänzt den Unterricht an der Schule. Das Besondere und Spannende an "mintensiv" ist das eigenhändige Experimentieren und selbstständige Forschen, das wir an jedem der neun Schullandheimstandorte in Bayern ermöglichen.

Die beruflichen Perspektiven für Absolventen technischer Ausbildungsberufe sowie von entsprechenden Hochschulausbildungen sind besser denn je - qualifizierter MINT-Nachwuchs wird händeringend gesucht. Man braucht sich nur anzuschauen, wovon Deutschland lebt und worauf sich unser Wohlstand gründet:

 

  • Fahrzeuge,
  • Maschinenbau,
  • Chemische Produkte,
  • Datenverarbeitung, Elektronik und Optik,
  • und elektrische Ausrüstung.

In diesen fünf Branchen wird etwa die Hälfte der bundesdeutschen Exporte bestritten. Oder anders gesagt: Unser wirtschaftliches Wohlergehen hängt maßgeblich von der Technik ab, genauer von Hochtechnologien als Alleinstellungsmerkmal.

MINT-Förderung schafft und sichert berufliche Chancen, kein Zweifel. MINT-Förderung ist aber ebenso wertvoll für das persönliche wie gesellschaftliche Leben. Sie schult den gesunden Menschenverstand, den man als Verbraucher mehr denn je benötigt. Sei es im Supermarkt, bei der Bewertung von Nachrichten oder beim Konsumieren des Internet. Wir werden MINT-Förderung weiterhin mit hoher Priorität betreiben. MINT-Förderung muss als kontinuierliche Aufgabe verstanden werden.

MZs: MINTENSIV wird von mehr als 15 Partnerorganisationen aus unterschiedlichsten Bereichen durchgeführt. Warum arbeiten Sie mit so vielen externen Partnern zusammen?

Ingrid Ritt: Grundsätzlich gilt, dass die Weiterentwicklung der Bildungsangebote an unseren Schulen eine gemeinsame Aufgabe aller ist. Schule wie Schulaufsicht kann unmöglich alleine aus sich heraus den erforderlichen Prozess gestalten - wir brauchen den gesamtgesellschaftlichen Diskurs. Nur so können unsere Schulen ihren Bildungsauftrag im Konsens mit den Müttern und Vätern, Unternehmen, Verbänden und allen anderen Organisationen einlösen. Hier hat in den vergangenen 20 Jahren ein grundlegender Wandel stattgefunden, von dem wir alle profitieren. Die Schulen und der gesamte Bildungsbereich haben sich nach außen geöffnet. Enge Kooperationen mit Partnern aus der Wirtschaft sind inzwischen bestens akzeptiert und für alle fruchtbar.

Es bedurfte keiner langen Überlegung, sich mit so vielen externen Partnern zusammenzuschließen. Das war auch klug, denn wenn wir auf die Projektphase von "mintensiv" zurück blicken, dann können wir mit Fug und Recht behaupten, dass Großartiges verwirklicht wurde. So konnte u.a. mit Hilfe des Carbon Composites e. V. und der Uni Augsburg in Bayern das bundes- und vielleicht sogar europaweit erste Schülerlabor für Faserverbundwerkstoffe eingerichtet werden.

Die Erfolge von "mintensiv" konnten nur von allen Projektpartnern gemeinsam gestemmt werden. Dafür bedurfte es einer engagierten Partnerschaft aus Lehrkräften und Schulleitungen, Organisationen und Unternehmen der Privatwirtschaft und Verbänden, die eng mit uns verbunden sind.

MZs: Frage an Sie als Projektkoordinatorin: Sie haben die gesamte Projektentwicklung koordiniert. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Ingrid Ritt: Höchst zufrieden! Unser oberstes Ziel, selbstständiges Forschen und Experimentieren für die Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen, konnten wir sicherstellen und erreichen. Dies war möglich, weil an den acht Schullandheimstandorten in Bayern hervorragende Voraussetzungen mit folgenden Themenschwerpunkten geschaffen werden konnten: Ÿ 

  • Energie und Technik (Bad Windsheim) Ÿ
  • Wasser, Chemie und Energie (Bauersberg, Steinbach am Wald) Ÿ
  • Faserverbundwerkstoffe und Mobilität (Bliensbach) Ÿ
  • Robotik, Navigation und Technik, (Oberaudorf) Ÿ
  • Robotik und Automatisierungstechnik (Riedenburg) Ÿ
  • Energie (Thüringer Hütte) Ÿ
  • Chemie (Waldkraiburg)

Ganz nebenbei, aber auch ganz bewusst bietet der Schullandheimaufenthalt viele positive soziale Aspekte, die wir mit den Bausteinen zu Themen wie z. B. Teambildung, Umgangsformen, Kommunikation, Präsentation und Leistungsprofil eingefügt haben. Das Erleben und Üben von Schlüsselqualifikationen lassen wir zielorientiert in die Berufsorientierung einfließen.

Künftig können Schülerinnen und Schüler aller Schularten entsprechende Kurse in den bayerischen Schullandheimen besuchen. Insgesamt haben bisher 1.500 Schüler gemeinsam mit 65 Lehrkräften an "mintensiv" teilgenommen. Ich muss es wiederholen: "mintensiv" zu entwickeln hat sich vollkommen gelohnt!

MZs: Worin bestand die Herausforderung für die Lehrer und MINT-Experten bei der Erarbeitung der Programme?

Ingrid Ritt: Zunächst kam es durch die Lehrkräfte zu einer Besichtigung der Schullandheime mit dem Ziel der Integration bestehender Standortvorteile, z.B. ob im Schullandheim vorhandene Materialien und örtliche Gegebenheiten mit in die Planungen einbezogen werden können. Danach mussten die MINT-Fachräume und Labore unter Beachtung der entsprechenden Sicherheitsbestimmungen geplant werden. Für die erforderlichen Umbauten waren dann die Schullandheime verantwortlich.

Bei der Entwicklung der Programme legten die Lehrkräfte ein besonderes Augenmerk darauf, dass sich durch die Inhalte ein deutlich erkennbarer roter Faden zog, d. h. dass die einzelnen Unterrichtsmodule miteinander verknüpft sind und dass aktivierende und handlungsorientierte Methoden angewendet werden.

MZs: Welchen Vorteil haben die Lehrer und welchen Vorteil haben die Schüler?

Ingrid Ritt: Die von den Schülern erworbenen Kenntnisse bilden einen Grundstock bei der weiteren schulischen Arbeit. Es war besonders wichtig, dass die Inhalte der Wochenkurse möglichst viele Kompetenzen fördern und sich die Schülerinnen und Schüler auch gleichzeitig viel Fachwissen aneignen. Ergebnisse, die die Schüler aus den Experimenten ziehen konnten, mussten im Anschluss von ihnen interpretiert und präsentiert werden. Wie vorhin bereits erwähnt haben die Schullandheimaufenthalte viele positive soziale Aspekte erzielt.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass durch die Möglichkeit, sich frei von zeitlichen Beschränkungen intensiv mit dem jeweiligen Themenschwerpunkt befassen zu können, bei den Schülerinnen und Schülern nachhaltige Eindrücke erzielt werden.

MZs: Wie ist der Zusammenhang zwischen Mintzukunftschaffen und Mintensiv? Gibt es gemeinsame Ziele oder Synergien?

Ingrid Ritt: MINT Zukunft schaffen und mintensiv haben das gleiche Ziel. Wir wollen zum einen die Bildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ausbauen, qualitativ stärken und dafür begeistern. Zum anderen wollen wir dem Fachkräftemangel in unserer Wirtschaft im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Berufe begegnen. Als MINT-Botschafterin bei mintzukunftschaffen stehen wir sozusagen auch im persönlichen Zusammenhang. Mein Beitrag als MINT-Botschafterin spiegelt sich auch in der Projektentwicklung "mintensiv" zusammen mit dem Bayerischen Schullandheimwerk wider. Durch unsere hervorragende Vernetzung sowie die Teilnahme an Veranstaltungen von mintzukunftschaffen und des Nationalen MINT-Forums entstehen für beide Initiativen Synergieeffekte. Viele persönliche Gespräche ermöglichen die ständige Weiterentwicklung und den effizienten Ausbau unserer gemeinsamen Ziele.

 

 



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